Allergiediagnostik und – therapie

Eine Allergie ist eine Fehlleitung oder eine „Überreaktion“ des körpereigenen Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt, z.B. Pollen, Hausstaub, Tierhaare, Schimmelpilze.

Typische Beschwerden wie Niesen, tränende/ juckende Augen oder laufende Nase, Hautreaktionen, sowie Husten und Atemnot können auftreten. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um die Beschwerden nachhaltig zu lindern und das Risiko für Folgeerkrankungen z.B. allergisches Asthma zu reduzieren.

Präzise Diagnostik mittels Hauttest und Blutuntersuchung

Grundlage hierfür ist eine präzise Diagnostik. Durch eine ausführliche Anamnese (saisonale Beschwerden, mögliche Auslöser, berufliche Gefährdung, familiäre Belastung), Hauttests (Pricktest) und Blutuntersuchungen (spezifisches IgE) wird versucht Allergene zu identifizieren und Ursachen von Symptomen zu klären. Ziel ist es zwischen einer Sensibilisierung und einer Allergie zu unterscheiden, ein positiver Prick- Test ohne Symptome bedeutet keine Allergie.

  • Hauttest (Pricktest): Standard-Suchtest bei Verdacht auf Heuschnupfen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Allergentropfen werden auf den Unterarm aufgetragen und die Haut wird ganz leicht angepiekst. Nach ca. 30 Minuten zeigt sich anhand von roten Schwellungen (Quaddeln), worauf Ihr Körper reagiert.
  • Blutuntersuchung (spezifisches IgE): Ergänzend wird im Labor untersucht, ob Ihr Blut bestimmte Abwehrstoffe (IgE-Antikörper) gegen die verdächtigen Stoffe enthält.

Wichtig: Antihistaminika (Allergietabletten) müssen in der Regel 7 bis 10 Tage vor dem Hauttest abgesetzt werden. Diese Medikamente unterdrücken die Reaktion der Haut, wodurch das Testergebnis falsch-negativ ausfallen würde. Wenn Sie kortisonhaltige Cremes im Testbereich (Unterarm) oder Kortisontabletten einnehmen, besprechen Sie dies vorab mit der Praxis. Asthmasprays dürfen weiterbenutzt werden.

Weitere Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik

Da Allergien häufig mit Atemwegserkrankungen einhergehen, wird zusätzlich eine Lungenfunktionsdiagnostik erfolgen, um Einschränkungen der Lunge frühzeitig zu erkennen und ggf. ergänzt durch die FeNO-Messung zur Beurteilung der entzündlichen Aktivität in den Atemwegen

Sollte eine Allergie bei Ihnen vorliegen bestehen neben der Allergenkarenz, die Optionen einer medikamentösen Therapie, z.B. durch Antihistaminika, antiallergische Augentropen/ Nasenspray und die Möglichkeit eine Allergen-Immuntherapie (AIT/ Hyposensibilisierung) z.B. gegen Pollen oder Haustaubmilben durchzuführen. Die entsprechende Therapieoption und die Aufklärung besprechen wir anschließend gemeinsam.

Was ist eine Allergenkarenz?

Allergenkarenz bedeutet das konsequente und vollständige Vermeiden des allergieauslösenden Stoffes im Alltag, z.B. durch:

  • Hausstaubmilbenallergie: Nutzung von milbendichten Spezialbezügen für Matratzen und Bettzeug (sogenannte Encasings), regelmäßiges Waschen der Bettwäsche bei mindestens 60 °C, Verzicht auf Staubfänger wie schwere Teppiche oder offene Regale im Schlafzimmer
  • Tierhaarallergie: Keine Anschaffung von Haustieren mit Fell oder Federn, meiden von Haushalten mit Tieren, gründliches Händewaschen nach unvermeidbarem Tierkontakt.
  • Kontaktallergie: Vermeiden von direktem Hautkontakt mit dem Auslöser, beispielsweise durch das Tragen von nickelfreiem Schmuck oder den Verzicht auf parfümierte Kosmetika.

Bei einigen Allergieformen ist eine vollständige Karenz im Alltag praktisch unmöglich, z.B. die Pollenallergie (Heuschnupfen): Da sich die winzigen Blütenstäube über kilometerweite Strecken durch die Luft verbreiten, kann man ihnen im Freien kaum entkommen. Hier helfen nur lindernde Maßnahmen (wie abendliches Haarewaschen oder Pollenschutzgitter an den Fenstern), Medikamente oder eine ursächliche Allergenimmuntherapie.

Allergenimmuntherapie (AIT, Hyposensibilisierung)

Es ist die einzige medizinische Behandlung, die eine Allergie direkt an ihrer Ursache bekämpft, anstatt nur die Symptome zu lindern. Ziel der Therapie ist es, das Immunsystem schrittweise an die eigentlich harmlosen Allergene zu gewöhnen, bis der Körper nicht mehr mit einer allergischen Reaktion darauf reagiert. Hierbei wird über 3-5 Jahre das entsprechende Allergen regelmäßig in definierter Dosierung gegeben, dies erfolgt entweder in Form von Spritzen unter die Haut (SCIT) oder als Tropfen bzw. Tabletten unter die Zunge (SLIT).

Da dem Körper genau der Stoff verabreicht wird, gegen den er allergisch ist, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Neben leichten Lokalreaktionen (Schwellung am Arm oder Kribbeln im Mund) besteht in extrem seltenen Fällen das Risiko einer schweren allergischen Reaktion.

Aus diesem Grund gilt bei der Spritzen-Therapie (SCIT) die strikte Vorgabe, nach jeder Injektion mindestens 30 Minuten zur Überwachung in der Arztpraxis zu warten, damit das medizinische Personal im Notfall sofort eingreifen kann. Bei der Tropfen- oder Tablettentherapie (SLIT) erfolgt die Erstgabe unter ärztlicher Aufsicht mit anschließender 30- minütiger Überwachung.

Lungenpraxis Hamburg Eidelstedt
Dr. med. Silke Augener

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