Schlafdiagnostik

Die Polygraphie (PG) ist eine ambulante Untersuchung, die durchgeführt wird, wenn der Verdacht auf eine Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) besteht.

Hinweise hierfür sind:

  • ein nicht erholsamer Schlaf
  • Schnarchen und/ oder Atemaussetzer
  • Häufige Wachphasen und nächtliche Toilettengänge
  • Fehlende Blutdruckabsenkung in der Nacht
  • Tagesschläfrigkeit, Einschlafneigung oder Sekundenschlaf

Sie wird zu Hause in der gewohnten Schlafumgebung durchgeführt, um Schnarchen, den Atemfluss, den Sauerstoffgehalt im Blut, die Herzfrequenz und die Körperlage über Nacht aufzuzeichnen. Bei einem auffälligen Befund erfolgt anschließend die Überweisung zur Therapieeinleitung in ein Schlaflabor.

Es gibt zwei Hauptformen der Schlafapnoe

Die häufigste Form, ist die obstruktive Schlafapnoe. Die Muskulatur im Rachenbereich erschlafft so stark, dass die Atemwege zusammenfallen. Bei vorhandener Atembewegung, kann die Luft nicht mehr durchströmen – es kommt zum Verschluss (Obstruktion) im Rachenbereich. Oft schnarchen Betroffene dabei laut und unregelmäßig.

Seltener ist die zentrale Schlafapnoe. Hier „vergisst“ das Gehirn kurzzeitig, den Befehl zum Einatmen an die Atemmuskeln zu senden. Ursachen sind z.B. schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Erkrankungen des zentralen Nervensystems (u.a. Schlaganfall, Hirntumore, Hirnentzündung, Parkinson), Medikamente und Drogen oder große Höhe.

Warum sind die Atemaussetzer gefährlich?

Ein Atemaussetzer kann zwischen 10 Sekunden und über eine Minute dauern. Dabei sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, das Gehirn schlägt Alarm und löst eine Weckreaktion (Arousal) aus. Der Betroffene wacht kurz auf – meist ohne es am nächsten Morgen zu wissen. Dieser gestörte Schlaf kann zu extremer Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf und Konzentrationsstörungen führen und erhöht langfristig das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Behandlung der Schlafapnoe

Die Standardbehandlung bei einer obstruktiven Schlafapnoe erfolgt über eine Überdrucktherapie über eine Maske. Dabei wird nachts eine Atemmaske getragen, die z.B. nur die Nase oder die Nase und den Mund umschließt. Ein kleines, leises Gerät leitet Raumluft mit einem definierten, kontinuierlichen Überdruck in die Atemwege. Dieser Luftdruck wirkt wie eine unsichtbare Schiene, er hält den Rachenraum offen, verhindert das Zusammenfallen der Atemwege und stoppt so die Atemaussetzer.

Es gibt verschiedene Formen der Überdrucktherapie, z.B. CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure), bei der ein kontinuierlicher Druck, gemessen in mbar, die Atemwege schient. Bei einer anderen Form, der APAP- Therapie (Automatic Positive Airway Pressure) wird eine Druckspanne vorgegeben und das Gerät kann sich, z.B. je nach Körperlage den erforderlichen Druck suchen. Das Verfahren funktioniert rein über den Luftdruck und darf nicht mit einer Sauerstofftherapie (LTOT) oder Beatmung (NIV) verwechselt werden.

Das CPAP-Gerät pumpt keinen extra Sauerstoff in die Maske, sondern komprimiert lediglich die ganz normale Luft aus Ihrem Schlafzimmer. Der Sauerstoffgehalt im Blut steigt nur an, weil Sie durch den offenen Rachenraum wieder tief und ohne Unterbrechung ein- und ausatmen können. Auch übernimmt die Überdrucktherapie nicht die Atmung, sondern unterstützt diese nur.

Treten zusätzlich zentrale Atemaussetzer auf, wird eine Beatmungstherapie notwendig, die einspringt, wenn das Gehirn vergisst zu atmen.

Welche Therapie und welche Maske für Sie in Frage kommt, wird im Rahmen eines Aufenthaltes im Schlaflabor geklärt. Die Nutzungsdauer pro Nacht sollte mindestens 4 Stunden betragen und die Therapie sollte regelmäßig genutzt werden.

Die regelmäßige Kontrolle der Therapie ist entscheidend, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern und Masken- oder Druckprobleme frühzeitig zu beheben. Sie setzt sich aus der automatischen Überwachung durch das Gerät, Kontrollen zu Hause und ärztlichen Untersuchungen zusammen. Die Kontrolle erfolgt in der Regel über eine ambulante Polygraphie über die Praxis, eine erneute Polysomnographie im Schlaflabor ist bei komplizierten Fällen oder bei anhaltenden Beschwerden unter der Therapie indiziert.

Risikofaktoren für eine Schlafapnoe

Der wichtigste und häufigste Risikofaktor für eine obstruktive Schlafapnoe ist starkes Übergewicht (Adipositas). Bei etwa zwei Dritteln aller Betroffenen spielen Fettansammlungen im Bereich des Halses und der Atemwege die entscheidende Rolle.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Enger Rachenraum, z.B. durch große Mandeln (v.a. bei Kindern), ein langes Zäpfchen oder eine vergrößerte Zunge
  • fliehendes Kinn, durch die Rückverlagerung des Unterkiefers (Retrognathie) kann die zurückfallende Zunge im Liegen den Rachenbereich leichter verlegen
  • Männer erkranken etwa zwei- bis dreimal häufiger als Frauen. Nach der Menopause gleicht sich das Risiko von Frauen durch hormonelle Veränderungen dem der Männer an.
  • höheres Alter, ab dem 40. Lebensjahr stiegt das Risiko stetig an, da das Gewebe und die Muskeln im Rachen von Natur aus erschlaffen
  • Familiäre Veranlagung: Kommen Schlafapnoe oder starkes Schnarchen in der engen Verwandtschaft vor, ist das eigene Risiko erhöht.
  • Alkohol entspannt die Atemwegsmuskeln und reduziert die natürlichen Schutzreflexe des Körpers im Schlaf
  • Nikotin führt zu Entzündungen und Schwellungen der Schleimhäute in den oberen Atemwegen, wodurch diese enger werden
  • Beim Schlafen in Rückenlage fällt die Zunge durch die Schwerkraft besonders leicht nach hinten und verschließt den Atemweg
  • Medikamente z.B. Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder starke Schmerzmittel (wie Opioide) senken die Muskelspannung und dämpfen den Atemantrieb im Gehirn.

Alternativen zur Überdrucktherapie

Wenn eine Überdrucktherapie (wie CPAP oder APAP) nicht vertragen wird oder keinen Erfolg bringt, gibt es verschiedene Behandlungsalternativen. Die Wahl der Methode hängt stark von der Schwere der Schlafapnoe und der körperlichen Anatomie des Patienten ab.

  • Gewichtsreduktion, die Fettansammlungen im Rachen und die Atemaussetzer werden reduziert.
  • Unterkieferprotrusionschiene, für leichte und mittelschwere obstruktive Schlafapnoe. Eine individuell vom Zahnarzt angepasste Kunststoffschiene (ähnlich einer Zahnspange) zieht den Unterkiefer im Schlaf ein paar Millimeter nach vorne, dadurch wird der Rachenraum erweitert. Voraussetzung sind ausreichend eigene und feste Zähne für die Fixierung der Schiene. Nachteilig, es können Schmerzen der Kiefermuskulatur oder auch Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers auftreten.
  • Zungenschrittmacher (Hypoglossus- Nerv- Stimulator), für mittelschwere bis schwere Schlafapnoe und vorhandener CPAP- Intoleranz. Operativ wird ein Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich gelegt. Das System misst den Atemrhythmus und sendet bei jedem Einatmen ein schwaches, schmerzloses elektrisches Signal an den Zungennerv (Nervus hypoglossus). Dadurch spannt sich der Zungenmuskel leicht an, bewegt sich nach vorne und hält den Atemweg frei.
  • Lagerungstherapie (Positionstherapie), treten die Atemaussetzer z.B. nur in Rückenlage auf, so können spezielle Westen, Schlafrucksäcke oder elektronische Sensoren (die bei einem Lagewechsel vibrieren) die Rückenlage verhindern, so dass in Seitenlage geschlafen wird und dadurch die Atemaussetzer verhindert werden.
  • Andere operative Methoden, wenn eindeutige anatomische Engstelle im Kopf- oder Halsbereich vorliegen, z.B. Entfernung der Rachenmandeln. Bei einem ausgeprägten fliehenden Kinn kann eine Umstellungsosteotomie erfolgen, bei der der Unterkiefer und ggf. Oberkiefer operativ nach vorne verlagert werden und dadurch der Rachenraum dauerhaft erweitert wird.
  • Rachenmuskel-Training (myofunktionelle Therapie), für Schnarcher und leichte obstruktive Schlafapnoe. Durch gezielte tägliche Übungen werden die Muskeln von Zunge, weichem Gaumen und Rachenwand gestärkt. Ein strafferes Gewebe neigt nachts weniger dazu, zu kollabieren.

Lungenpraxis Hamburg Eidelstedt
Dr. med. Silke Augener

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